Argumentation der „Identitären Bewegung“

Von der neuen nationalistischen „Identitären Bewegung“ gibt es neben einem modernen, coolen Soundtrack ein Youtube-Video mit der Beschreibung „Lesen hilft“. Genau das habe ich jetzt mal getan und mir die einzelnen Teile näher angeschaut. Das Urteil möchte ich jeder*jedem selbst überlassen, doch auf jeden Fall lohnt es sich, diese rechtsnationalistischen Parolen kritisch zu hinterfragen.

Gleich die ersten beiden Sätze: „Heimat ist kein Ort… Heimat ist ein Gefühl.“ Dem kann ich genauso zustimmen, doch wenn das so gesehen wird, weshalb fordern die Identitären dann das Dichtmachen aller Grenzen und damit die Gefangennahme der Menschen an bestimmten Orten?

Kurze Zeit darauf: „Identitäres Europa / Weil es unser Erbe ist“. Mit einem identitären Europa ist ein Europa der Nationalstaaten ohne Union gemeint. Das einzige Erbe, das dadurch geprägt wurde, sind andauernde Kriege zwischen den Ländern, bis hin zu den zwei Weltkriegen. Das „Erbe“ der Nationalstaaten besteht aus Krieg, wer das fortsetzen will, handelt geschichtsvergessen, Frieden kann es nur durch Gemeinschaft und Kooperation geben.

Im Anschluss wird Friedrich Schiller mit den Sätzen zitiert: „Was auch immer daraus werde – steh zu deinem Volke. Es ist dein angeborener Platz.“ Nun, die „Begründung“ lässt sich genauso eins zu eins auf die Ständegesellschaft übertragen. Sollte der angeborene Platz darüber entscheiden, ob man als Adeliger Privilegien genießt oder als Bauer ausgebeutet wird? Dieses „angeborene“ schränkt die Freiheit eines Menschen nur ein, ich bin froh, dass wir uns davon gelöst haben und jede*r von uns freie Entscheidungen treffen kann!

Auch die Eigenbezeichnung „Identitäre Generation“ ist eigentlich unrealistisch. Noch nie zuvor in der Geschichte war der Mensch so frei zu entscheiden, wo er leben möchte, und besonders in Deutschland ist die junge Generation durch Einwanderer*innen geprägt.

Dann kommt „Der germanische Geist ist der Geist der Freiheit“. Nun, Hitler hat das eindrucksvoll bewiesen. Die französische Revolution als Ursprung der modernen Demokratie hat wohl auch nicht in Deutschland stattgefunden. Doch weshalb sollte überhaupt irgendeine Personengruppe solche Werte für sich beanspruchen dürfen? Jede*r kann ja wohl für Freiheit sein, ob Deutscher, Franzose, Brasilianer oder Afghane.

Als nächtes ist das patriotische Weltbild wieder dran. „Sei deutsch: “ und eine Reihe von angeblich deutschen Eigenschaften wie „sei stark“. Nun, mir persönlich erschließt es sich jetzt nicht, warum stark sein gerade eine deutsche Eigenschaft sein soll, ich denke mal viele Jugendliche aus anderen Ländern sind stärker als ich. Auch hier findet wieder eine Verallgemeinerung und Pauschalisierung ganzer „Ethnien“ statt, die sinnlos ist. Jede Person ist einzigartig, egal von welcher Seite der Erde sie kommt.

Nächstes Zitat: „Frei sind wir geboren“. Ganz genau, weshalb also Leute an die Orte binden, an denen sie geboren wurden? „Ein Buch im Haus nebenan ist wie eine geladene Waffe.“ Stimmt, es kann genauso viel erreichen! Nur werden damit keine Menschen umgebracht.

Und zu guter Letzt ein weiterer Widerspruch in der Argumentation der Identitären: Sie wollen einstehen ein für deutsche Tradition, gleichzeitig „lehnen [sie] […] die Geschichtsbücher ab“. Sie sind also für traditionnelle Werte, wollen aber selbst entscheiden, was Tradition ist? Nach dem Prinzip kann ich auch für gerechte Gesetze sein und dann selbst festlegen, was denn gerechte Gesetze sind…

Und selbst wenn sie denn positive Werte hätten, wieso sollten Einwanderer*innen diese Werte denn nicht übernehmen können? Die Flüchtlinge, die aus islamistisch geführten arabischen Staaten flüchten, sind ja meistens die, die sich gegen den Islamismus und für Demokratie einsetzen. Damit vertreten sie ja genau die Werte, die zur hiesigen Demokratie gehören, wieso sollten sie in ein faschistisch-islamistisch geführtes Land zurückgeschickt werden?

Insgesamt bleibt am Ende der Betrachtung von den Argumenten der Identitären kaum etwas übrig. Wie bei den meisten Rechtspopulisten werden leere Parolen und Klischees benutzt, ohne dass hinter den Vorurteilen eine sinnvolle Begründung steht.

Hier noch der Link zum Video: https://m.youtube.com/watch?v=vuyCxHACo9o

Und ein Artikel zur Identitären Bewegung im Allgemeinen:http://www.onesolutionrevolution.de/allgemein/europaeische-volkstuemeleien-fuer-die-jugend-die-identitaere-bewegung/

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